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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs (Gebundene Ausgabe) Große Unternehmerfamilien mit noch unzureichender biographischer Würdigung sind offenbar das Steckenpferd des Hamburger Journalisten Rüdiger Jungbluth. Und so hat er sich nach den für Deutschland bedeutsamen Quandts und Oetkers nun die international wirkende Familie Kamprad vorgenommen.

Von den über mehrere Generationen reichenden Erzählungen zu den beiden erstgenannten Familien unterscheidet sich „Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs“ allerdings gleich in zwei Punkten: Zum einen lebt der Gründervater des beschriebenen Imperiums noch. Ingvar Kamprad ist vor kurzem 80 Jahre alt geworden (rechtzeitig zur Veröffentlichung des Buchs) - und er führt das Unternehmen tatsächlich ungebrochen seit der Gründung vor über 60 Jahren. Zum anderen ist das Thema Familiengeschichte stark reduziert, es gibt immerhin ein wenig Hintergrund zur Führungsfigur, aber so gut wie nichts zu seinen Frauen und Kindern, zu Freunden, Feinden und Nahestehenden. Obwohl Kamprads drei Kinder doch die größte Stiftung der Welt (nach neuer Einschätzung des Economist) erben werden, mit annähernd 40 Milliarden Dollar Vermögen. Nicht übel für den Möbelhandel...

Jungbluths IKEA-Buch zerfällt in zwei auf den ersten Blick recht unterschiedliche Teile.

Die ersten 160 Seiten lang erzählt er mit Freude über Hintergrund und die frühen Jahre von Ikea. Die Zeiten der eigentlichen Expansion spart er leider weitgehend aus, die zugegeben höchst komplizierte Konstruktion der heutigen Firma wird als höchst kompliziert gekennzeichnet – und nicht besonders erhellend erläutert. Dieser erste Teil liefert nur wenig zu den möglichen Gründen des erstaunlichen Ikea-Erfolgs, dafür sollen ja die nächsten 120 Seiten reserviert sein.

Aber ach, die angeblichen 11 „Erfolgsgeheimnisse“ mit so kreativen Titeln wie „Der Bullerbü-Faktor“ oder „Der Teflon-Faktor“ scheinen mir jeweils bestenfalls aus lose gruppierten Anekdoten zu bestehen. Es fehlt die fundierte oder doch bloß ernsthafte Analyse. Es fehlen sämtliche Zahlen, die irgendwelche Aussagen belegen könnten (klar, Ikea veröffentlicht ja auch fast nichts). Immer wieder stochert Jungbluth vergnügt im Ungefähren herum und bleibt an der Oberfläche. „Geheimnisse“ sind hier nicht drin, vielmehr ist auch Teil 2 des Buchs letztlich eine Sammlung aus Hörensagen und durchaus unterhaltsamen Skizzen mit Lokalkolorit, frei nach dem Motto „Allerlei amüsante und erstaunliche Geschichten aus Südschweden“.

Das mag zur leichten Unterhaltung in Ordnung gehen, ein paar Episoden liefern auch wirklich neue oder mild überraschende Impressionen. Aber in der Summe erzählt mir das Buch zu wenig über die wirkliche Arbeitsweise des Unternehmens Ikea, oder auch nur die Unternehmerpersönlichkeit Kamprad. Eine nett anzusehende, flach verpackte und manchmal etwas zähe Bastelei, nicht belastbar und zu teuer für die gebotene Qualität. Wie die meisten Ikea-Möbel halt...
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. Mai 2006
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